Raucherentwöhnung und Gewichtsreduktion |
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| Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Raucher-Entwöhnung und Gewichtsreduktion WAREG e. V. |
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von Burckhard Junge, Robert Koch-Institut, Berlin
Einige Krümel getrockneten kleingeschnittenen Laubes, eingewickelt in Papier und angezündet, die Verbrennungsrückstände teils eingeatmet, teils in dafür vorgesehene Becher gestreut oder auch in die Zwischenräume des Straßenpflasters getreten, das Ganze rund 20mal am Tag wiederholt - wir sprechen vom Rauchen.
Für Jugendliche ist es ein verlockendes Symbol des starken, selbstbewussten, unabhängigen Erwachsenen. Tatsächlich würde ein solcher Erwachsener nur in den seltensten Fällen noch mit dem Rauchen beginnen. Immerhin haben etwa 90 % der Raucher ihre Gewohnheit vor dem 20. Lebensjahr entwickelt - unter Mitwirkung der Eltern, der gleichaltrigen Freunde, der Idole aus der Film- und Musikszene und der Botschaften der Tabakwerbung. Nichtrauchende Jugendliche sagen: "Es ist ungesund, es schmeckt nicht, es ist teuer". Die Raucher unter den Jugendlichen sprechen dagegen davon, dass sie "gern rauchen, dass es schmeckt und beruhigt".
Mit der beruhigenden Wirkung ist das ja so eine Sache: Nach dem Rauchen einer Zigarette ist der Nikotinspiegel im Blut auf maximaler Höhe. Durch sein allmähliches Absinken entsteht als eine Art kurzfristiger Entzugserscheinung Unruhe, die dann durch erneutes Rauchen wieder beseitigt werden muss - ohne die vorherige Zigarette wäre die Unruhe erst gar nicht entstanden.
Es gibt eine zunehmende berufliche und soziale Differenzierung des Rauchens: 54 % der Bauhilfsarbeiter, aber nur 13 % der Gymnasiallehrer rauchen. Dies wird dahingehend interpretiert, dass Arbeitnehmer, die gesundheitsschädliche Einflüsse an ihrem Arbeitsplatz nicht selbst kontrollieren oder regulieren können, dann auch im Privatleben darauf verzichten, Risikofaktoren auszuschalten. Unter Ärztinnen sind 11 %, unter Krankenpflegehelferinnen aber 34 % Raucher. Selbst der tägliche Umgang mit den gesundheitlichen Folgeerscheinungen des Rauchens scheint allein nicht die erwartete konsumdämpfende Wirkung zu haben. Soziale Faktoren wie die Schulbildung haben offenbar zusätzlich beträchtlichen Einfluss: 32 % der Frauen mit Hauptschulabschluss, aber nur 18 % der Frauen mit Hochschulabschluss rauchen. Als naheliegende Konsequenz aus diesen Differenzen wird die Ausarbeitung zielgruppenspezifischer Präventionsprogramme empfohlen.
Nun ist aus diversen Erhebungen bekannt, dass bis zu drei Viertel der Raucher lieber heute als morgen aufhören möchten. Viele haben schon versucht, ganz damit Schluss zu machen oder weniger zu rauchen, manche sind auf "gesündere" leichte Zigaretten umgestiegen. Das Problem ist, dass die zur Verfügung stehenden Entwöhnungsangebote in der Regel nur eine Erfolgsquote von 5 bis 25 % nach einem halben Jahr haben, so dass sich erst nach wiederholtem Versuch und Rückfall ein dauerhafter Erfolg einstellt. Ständig kommen neue Produkte auf den Markt und verwirren den zum Aufgeben entschlossenen Kandidaten mit wohlklingenden Versprechungen. Leider ist eine seriöse Beratung über die Vor- und Nachteile der in Frage kommenden Methoden wie an unserem Berliner Rauchertelefon noch nicht selbstverständlich.
Bis in die 70er und 80er Jahre wurde praktisch überall und jederzeit geraucht. Inzwischen haben sich vermehrt die Nichtraucher - immerhin heute drei Viertel der Bevölkerung - zu Wort gemeldet und fordern immer selbstbewusster ihr Recht auf saubere Atemluft. Nicht zuletzt haben die Diskussionen um die nach zwei vergeblichen Anläufen jetzt im Deutschen Bundestag beschlossene Neuregelung des Nichtraucherschutzes sicherlich mit dazu beigetragen, dass wir wieder auf dem Wege zurück zu den Anfängen sind. Zu Beginn dieses Jahrhunderts war es üblich, sich zum Rauchen in den Rauchsalon zu begeben. Einige hundert Jahre zuvor war es Sitte, nur zu besonderen Anlässen, z. B. um einen wichtigen Gast zu ehren oder einen Vertrag zu besiegeln, die Friedenspfeife anzuzünden. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis wir wieder bei ähnlichen Rauchgewohnheiten angelangt sind.
Noch aber sind in Deutschland von den jährlich insgesamt mehr als 800 000 Gestorbenen über 100 000 dem Rauchen anzulasten; 400 an Lungenkrebs und 3000 an Herzkrankheiten gestorbene Nichtraucher werden dem Passivrauchen zugeschrieben. Es ist also dringend nötig, das Nichtrauchen weiter zu fördern. Drei wesentliche Bereiche stehen dabei im Vordergrund:
Rauchen - Freiheit und Abenteuer? Freiheit oder Abenteuer?
Nein, ohne Rauch geht's auch!
Übrigens: Viele, die das Rauchen mit dem WAREG-Kurs "Rauchfrei im Kopf" aufgegeben haben, sagen sogar:
Ohne Rauch geht's besser!

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